Hans Meyer-Hanno, Schauspieler, Widerstandskämpfer


Foto im Privatbesitz der Familie Meyer-Hanno, Veröffentlichung mit frdl. Genehmigung der Söhne Andreas und Georg
im Privatarchiv, Ausstellung "Die Künstlerkolonie stellt sich vor" 1989/90)

Hans Meyer-HannoHans Meyer-Hanno (1906-1945), ehem. Bewohner der Künstlerkolonie-Wilmersdorf Berlin. Er wohnte am Laubenheimer Platz 2, später Laubenheimer Platz 5 (Adr), heute Ludwig-Barnay-Platz. Er war gemeinsam mit Beppo Römer, Alexander Graf Stenbock-Fermor ("Der Rote Graf") Widerstandskämpfer in der sogen. "RAS" (Römer-Gruppe) in der Künstlerkolonie. Mehr zur RAS siehe unten...

Hans Meyer-Hanno (geb. 1906, ermordet im Zuchthaus Bautzen am 20.04.1945, 18 Tage vor der Kapitulation am 08.05.1945 begann als Bühnenbildner, Zeichner, Theaterausstatter in der Provinz, 1928-30 unter "Tibor Blue Boys" als Schlagzeuger, Ukulelespieler und Sänger, spielte 1929-30 in der "Katakombe", 1931 Mitbegründer der Agit-Prop-Gruppe "Truppe 1931" mit Steffie Spira, Günter Ruschin, Curt Trepte, Gustav von Wangenheim u.v.a. mit Tourneetätigkeit, (Stücke "Die Mausefalle", "Da liegt der Hund begraben", "Wer ist der Dümmste?"), nebenbei Synchronarbeit, seit 1935 in verschiedenen Theater-Engagements, seit 1939 bis zu seiner Verhaftung 1943 im Ensemble des Schillertheaters Berlin. Darsteller in vielen Filmen wie "Du und Ich" (R: Wolfgang Liebeneiner, Terra-Filmkunst), "Inkognito" (R: Richard Schneider-Edenkoben, UfA), "Schwarze Rosen" neben Willy Birgel (R: Paul Martin, UfA), "Savoy Hotel" neben Hans Albers (R: Gustav v. Ucicky, UFA), "Blinde Passagiere" (R: Fred Sauer, Tobis-Film), "Der Kleinstadtpoet" R: I. v. Baky, UfA), "Die unvollkommene Liebe" (R: Erich Waschneck, UfA). Seine Tätigkeit in der politischen Widerstandsgruppe RAS ist ausführlich beschrieben im Kapitel "Antifaschistischer Widerstand in der Künstlerkolonie" des Buches "Die Künstlerkolonie Berlin - Ein Stadtteil-Lesebuch" (in Arbeit) und im KünstlerKolonieKurier Nr. 6 (2010). Daraus Ausschnitte:

KünstlerkolonieKurier Nr. 6:

Katharine Blomberg-Moore (Kanada):

ist die Tochter von Albrecht (Alja) Blomberg (1891-1962), Innenarchitekt und Widerstandskämpfer in der „RAS“ (Revolutionäre Arbeiter und Soldaten, 1941 Zusammenschluß mit der „Uhrig-Gruppe“, Zusammenarbeit mit der „Saevkow-Gruppe“) und seiner Frau, der Malerin Elena Liessner-Blomberg (1897-1978).

Zur RAS gehörten außerdem: Beppo Römer (“Römer-Gruppe“), geb. am 17. November 1892 in München, hingerichtet am 25. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden (in Wikipedia steht ein falsches Geburtsdatum und ein falscher Geburtsort, Korrekuren unsererseits wurden als "Vandalismus" bezeichnet und regelmäßg gelöscht die KünstlerKolonie wurde regelmäßig monatelang gesperrt, Korrekturen wurden täglich durch Seine Majestät Administrator rückgängig gemacht, letztendlich wegen "Majestätsbeleidung" lebenslänglich gesperrt), Alexander Graf Stenbock-Fermor („Der Rote Graf“ und wichtigster Chronist der Künstlerkolonie), Willy Sachse und der Schauspieler Hans Meyer-Hanno (mit Ehefrau Irene, Pianistin), geb. 1906, ermordet im Zuchthaus Bautzen am 20.04.1945, 18 Tage vor der Kapitulation. Das Naziregime behauptete: „Auf der Flucht erschossen“. Doch wohin sollte er denn fliehen im Hof des Zuchthauses, vor ihm bewaffnete Wächter, hinter ihm bewaffnete Wächter, gegen Mauer und Stacheldraht?

Vom damaligen Bezirksamt Wilmersdorf wurde die Version des Naziregimes übernommen und die Aussagen der Witwe, der Kinder und die eidesstattlichen Versicherungen von Zeugen und prominenten Freunden (z.B. Dr. Kurt Raeck, ehem. Intendant des Renaissance-Theaters) geleugnet, um die Witwenrente einzusparen. Das heutige Bezirksamt schreibt wie wir „ermordet“, auf dem „Stolperstein“ steht ebenfalls „ermordet“. Die heutige Wikipedia bevorzugt jedoch die Version des Naziregimes "...auf der Flucht erschossen".

Man traf sich oft auch in der Wohnung von Albrecht (Alja) Blomberg und Malerin Elena Liessner-Blomberg, plante Aktionen, verfaßte Texte und Flugblätter, die Martha Butte auf ihrer Schreibmaschine im Keller tausendfach kopierte. Diese wurden dann an Soldaten an der Front verschickt und aus Flugzeugen der „Roten Armee“ über den deutschen Soldaten heruntergeworfen, meist mit der Aufforderung aufzugeben und den Krieg zu beenden.

Albrecht Blomberg, 1981 in Moskau geboren, besuchte in Dresden die Kunstakademie zur gleichen Zeit wie George Grosz. Danach studierte er in München an der Akademie, verbrachte aber mehr Zeit im Café Stephanie in einem Kreis, zu dem Leonhard Frank, Erich Mühsam und Johannes R. Becher gehörten, der Psychoanalytiker Gross war dabei und auch Eduard Schiemann. (...) Als ich Alja Ende 1922 kennenlernte, war er in einer schlimmen Krise. Seine Frau wollte ihn nicht aufgeben und drohte mit einer Pistole. (...) Wir fanden uns trotz aller Hindernisse. (Zitat aus der Autobiografie von Elena Liessner-Blomberg: „Die Geschichte vom Blauen Vogel“, Buchverlag „Der Morgen“ 1978). Tochter Katja wurde 1924 in Berlin geboren, 1925 wurde Sohn Michael geboren.

Katja Blomberg war wie Wolfgang Leonhard (bekannt durch „Die Revolution entlässt ihre Kinder“) zur gleichen Zeit „Als junger Pionier in der Künstlerkolonie“ (Wolfgang Leonhard in: Rolf Italiaander (Hrsg.) „Wir erlebten das Ende der Weimarer Republik“, Droste-Verlag Düsseldorf 1982).

Sie hat uns Material, Bilder, Bücher und ihre Erzählung über ihre Kindheit in der Künstlerkolonie zugesandt ...

Alexander Graf Stenbock-Fermor ("Der Rote Graf") berichtet:
In unserer Wohnung am Laubenheimer Platz 5 trafen sich Römer und Sachse zum erstenmal. Diese grundsätzlichen Naturen spürten bald ihre Zusammengehörigkeit. Nach einer langen politischen Diskussion fand man die gemeinsame Plattform. Das Ergebnis war eine Widerstandsgruppe, die sich später RAS nannte, "Revolutionäre Arbeiter und Soldaten". Uns war klar, daß die Gruppe klein gehalten werden mußte, Aufnahme nur von Freunden, denen man absolut vertrauen durfte. Beim Verfassen von illegalen Flugschriften mußten die Autoren der Texte streng von den technischen Herstellern und Verbreitern getrennt werden.

Wir trafen uns abwechselnd bei mir, in der Wohnung von Alja Blomberg am Südwestkorso und oft bei Meyer-Hannos am Laubenheimer Platz 2. Hans Meyer-Hanno und seine Frau Irene wurden die eifrigsten Mitarbeiter. Wir verfaßten Texte für antifaschistische Flugblätter und Flugschriften. Unsere wichtigste illegale Flugschrift war der "Informationsdienst", den Römer, unser militärischer Fachmann, herausgab. Er brachte ausführliche Analysen über die militärische Lage an allen Fronten, über die politische Lage, forderte zum aktiven Widerstand gegen Nationalsozialismus und Krieg auf. Willy Sachse konnte seine Erfahrungen als Seemann und aus der Arbeiterbewegung beisteuern, Hans Meyer-Hanno berichtete vom illegalen Kampf der revolutionären Schauspieler und Bühnenarbeiter, Frau Meyer-Hanno von den Judenverfolgungen. Meine Aufgabe war es, den Text stilistisch zu überprüfen, klarste Formulierungen zu finden.

In der Regel trafen wir uns wöchentlich einmal, verabredeten den nächsten Termin von vornherein oder verständigten uns durch getarnte Telefonanrufe. Besondere Vorsichtsmaßnahmen schienen uns nicht nötig - bis auf das Einzelnkommen -, weil wir am Anfang noch nicht mit der Beschattung rechneten und Spitzelgefahr nicht bestand.

Nach jeder Sitzung verwischten wir sorgfältig die Spuren. Nur Beppo Römer, leichtsinnig, stopfte oft beschriebene Blätter achtlos in den Papierkorb. Wir fanden sie später beim Aufräumen, verbrannten sie in der Küche.

Römer wirkte impulsiv, ungeduldig. Er neigte zum übertriebenen Optimismus. Hatte man einen Kontaktmann in einer anderen Stadt gefunden, beispielsweise in Stralsund, pflegte er zu sagen: "Jetzt ist auch Stralsund in unserer Hand." Aber als Kenner strategischer Zusammenhänge, als militärischer Sachverständiger konnte ihn niemand übertreffen.

Willy Sachse, ruhig, gelassen, souverän, ausgleichend - war der eigentliche ideologische Kopf. Unter den Weddinger Arbeitern galt er als Spitzenfunktionär der Gruppe A in der Gesamtgruppe "Nord". Man hatte sich als Natur- und Sportfreunde getarnt, zum Beispiel auch im Segelclub "Wiking" in Tegel. Die Gruppe Nord verfügte über eine primitive Druckerei.

Hans Meyer-Hanno, Darsteller von Naturburschen und Kraftmenschen, war im Gegensatz zu seinen Schauspielerrollen still, zäh und unbeirrbar. Bei aller Vorsicht zeigte er sich stets entschlossen, gefährliche Aufgaben zu übernehmen.
(...)
Die Flugschriften, unauffällig getarnt, wurden von verschiedenen Postämtern an Hunderte von Adressen geschickt, in Deutschland und im Ausland. An der Front galten Feldpostnummern. Auf Sorgfalt mußte geachtet werden, da schlecht lesbare Adressen, ungenügende Verpackung und Frankierung zu Nachprüfungen, Gefährdungen der Adressaten führen konnten.
(...)
Über die Resonanz unserer Flugschriften vermochten wir natürlich nur zu rätseln. Das gab oft ein deprimierendes Gefühl. Wurden die Flugschriften gelesen, weggeworfen, zur Polizei gebracht? Würden Menschen aufgerüttelt Wir hofften es glühend. Aber wir wußten zu wenig.
(Stenbock-Fermor: DER ROTE GRAF, 1973/1976 S. 405 ff

Hans Meyer-Hanno wurde 1943 auf der Bühne des Schillertheaters verhaftet.

Zuletzt war er im Zuchthaus in Bautzen. Es wurde der "Volkssturm" rekrutiert. Auch die anderen Gefangenen des Zuchthauses wurden aufgefordert, am "Volkssturm" teilzunehmen. Hans Mayer Hanno lehnte ab mit den Worten "Ich nehme kein Gewehr in die Hand". Dann drehte er sich um und ging weg. Daraufhin wurde er hinterrücks erschossen.

Vom damaligen Bezirksamt Wilmersdorf wurde diese Nazi-Version übernommen und die Aussagen der Witwe, der Kinder und die eidesstattlichen Versicherungen von Zeugen und prominenten Freunden (z.B. Dr. Kurt Raeck, ehem. Intendant des Renaissande-Theaters) wurden geleugnet, um die Witwenrente einzusparen. Das heutige Wilmersdorfer Bezirksamt schreibt wie wir „ermordet“, auf dem „Stolperstein“ steht ebenfalls „ermordet“. Wikipedia bevorzugt dagegen die Version des Nazi-Regimes: "auf der Flucht erschossen". Wikipedia ist streckenweise etwas rechtslastig, zumindest was die Künstlerkolonie, deren historische Bewohner und den Widerstand gegen das Nazi-Regime betrifft (in Wikipedia im Original gelöscht und mit unzutreffenden Daten neu erstellt durch Axel Mauruschat. dem Held der Wikipedia - uns erscheint Heldenverehrung nach dem zweiten Weltkrieg eher suspekt, wiederum ein Grund zur Sperrung bei Wikipedia).

Erst am 6. Januar 1946 konnte Hans Meyer-Hanno nachträglich geehrt werden in der Totenrede von Gustav von Wangenheim (zu Hans Otto und Hans Meyer-Hanno). Daraus der Teil zu Hans-Meyer-Hanno auf der folgenden Seite.

Mehr...
Berichte über NS-Aktionen in der Künstlerkolonie 1932/33
und von der Großrazzia am 15. März 1933 finden Sie unter KüKo AKTUELL

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